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Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul – ohne zu Wissen was mich erwartet habe ich das Geschenk eines hervorragenden Dirigenten angenommen, und zusammen mit Christoph Lahme dieses einzigartig schöne Instrument aus dem 5. Stock eines Wohnhauses transportiert.

Es handelt sich um ein Instrument der Marke Trayser, Stuttgart.

Der Harmoniumbauer Trayser lernte sein Handwerk bei der Firma Alexandre, bevor er in den 1850er Jahren nach Stuttgart übersiedelte und hier eine Harmoniumfabrik gründete, die bis 1905 über 37.000 Instrumente herstellen sollte. Das Instrument mit der Nummer 15826 ist nun in meinem Besitz. Die Seriennummer deutet auf das Baujahr 1871 hin. Ein auf dem Harmoniumdeckel angebrachtes Schild mit dem Instrumentenhändler Findlay aus Glasgow zeigt, wo die Reise hinging: Interessant: Laut Internet wurde die Firma 1878 gegründet. Ausserdem ist das Instrument in 437Hz Kammerton gestimmt, Instrumente für den englischen Exportmarkt standen meist auf 450 Hz.Wahrscheinlich lässt sich das nicht mehr rekonstruieren…

 

Die Registerzüge:

Forte – Sourdine (auf 4) – Bassin – Clairon – Bourdon – Cor Anglais – Voix humaine – Percussion – Double Expression – Grand jeux (auch als Kniehebel) – Expression – Percussion – Voix celeste – Flute – Clarinette – Fifre – Hautbois – Tremblant – Forte  (Kniehebel Forte)

Der Klang ist atemberaubend schön, vor allem die Forteklappen, durch den Kniehebel sehr differenziert zu steuern, ermöglichen tolle Effekte. Während der 8′ nicht sehr scharf klingt, ist der Bassin-Hautbois 8′ streicherartig intoniert, so dass sich im Zusammenspiel ein Prinzipalartiger Klang entwickelt. Das Instrument eignet sich hervorragend sowohl zur Begleitung als auch zum solistischen Spiel.